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SF Afrika

Afrofuturismus: Die neuen Science-Fiction-Ikonen

Passend zur Tracks-Sondersendung über Science-Fiction mit dem Pionier des Cyberpunk, Bruce Sterling, dreht sich diese Woche alles um Sci-Fi. Im zweiten Teil: Der afrikanische Kontinent – eine neue Science-Fiction-Welt.

1974 brachte John Coney die kosmische Poesie des schwarzen US-amerikanischen Jazzmusikers Sun-Ra in „Space is the Place“ auf die Leinwand. Inspiriert vom gleichnamigen Album zeigt dieses futuristische Opus die Abenteuer des avantgardistischen Musikers im Space-Tutanchamun-Style auf einem fernen Planeten, auf dem er eine afroamerikanische Kolonie gründen will. Album und Film entwickeln eine futuristische Mythologie, in der Sun-Ra der schwarzen Bevölkerung ein „alternatives Schicksal“ präsentiert.

Sun Ra: Space is the Place (1974)
Space is the Place - Sun Ra
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2009 eroberte der Südafrikaner Neill Blomkamp mit „District 9“ die Kinos, einer Science-Fiction-Allegorie auf die Apartheid. Der von Peter Jackson produzierte Kritikererfolg setzte sich gegen die üblichen Hollywood-Neuauflagen, Remakes und unendlichen Fortsetzungsreihen problemlos durch.

District 9 - trailer
DIstrict 9 - trailer
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Irgendwo zwischen unerwarteter Entdeckung und überfälliger ästhetischer Revolution erleben die Science-Fiction „Made in Africa“ und die afrofuturistische Ästhetik seit einigen Jahren einen starken Aufschwung. Einige sehen darin den Beweis, dass Afrika schon seit eh und je futuristisch ist und erinnern daran, dass in der Geschichte des Kontinents manche Bevölkerungsgruppen tatsächlich entführt und auf riesigen Schiffen in eine andere Welt gebracht wurde. Andere freuen sich einfach darüber, dass das Sci-Fi-Universum sich angesichts besagter Fortsetzungen nun auch anderen Einflüssen öffnet und immer wieder neue mögliche Welten aufzeigt.

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Jungle Jim

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Die südafrikanische Zeitschrift Jungle Jim ist eine an die amerikanischen Pulp-Magazines angelehntes Print-Publikation, die zahlreiche Autoren des gesamten Kontinents veröffentlicht, darunter auch Nnedi Okorafor. Die nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin wurde für ihren Roman „Binti“ erst in diesem Jahr mit dem Nebula Award, einer der größten Auszeichnungen der englischsprachigen Science-Fiction-Szene, geehrt. In der Geschichte geht es um die erste Studentin des Volks der Himba, die in einer intergalaktischen Akademie zugelassen wird und nun neues Wissen und alte Traditionen unter einen Hut bringen muss.

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Binti - Nnedi Okorafor

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Der Ägypter Ahmed Khaled Tawfik ist einer der einflussreichsten arabischsprachigen Science-Fiction-Autoren. Sein Roman „Utopia“, der 2011 ins Englische übersetzt wurde, beschreibt Ägypten im Jahr 2023: Nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft haben sich die Reichsten des Landes abgekapselt. Unter dem Schutz von US-Marines verlieren die Ägypter ihre Kultur, während die USA einen Superkraftstoff entwickelt haben, der Öl überflüssig macht. Tawfik erzählt die Geschichte eines Jungen aus der Oberschicht, der, um der Langeweile in der Utopie zu entfliehen, in das Reich der „Anderen“ – der Notleidenden im restlichen Land – vordringt.

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Ahmed Khaled Tawfik

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Der Kurzfilm „Pumzi“ von Kényane Wanuri Kahiu aus dem Jahr 2009 erzählt die Geschichte einer jungen Wissenschaftlerin und ihrer Flucht aus dem Leben unter der Erde. 35 Jahre nachdem Kriege um Wasser die Erdoberfläche völlig zerstört haben, träumt sie davon, wieder Leben auf diese zu bringen.

 

PUMZI

21m52

Pumzi

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In Tracks war bereits von „Crumbs“ die Rede, dem ersten in Äthiopien produzierten Science-Fiction-Film. In dieser abgefahrenen Post-Apokalypse unter der Regie von Miguel Llansó geht es um einen Alien, der auf der zerstörten Erde landet und dort einen seltsamen Tick der Überlebenden kennenlernt: Diese sammeln nämlich Überbleibsel der Massenkultur, als wären es legendäre Objekte (so wird zum Beispiel ein Spielzeugschwert aus dem Supermarkt zum magischen Totem).

Science-fiction made in Ethiopie - Miguel Llanso - Tracks ARTE
Crumbs - Tracks
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So wie George Lucas für Star Wars Inspiration in westlichen und orientalischen Mythen fand, hat sich der französisch-karibische Künstler Paul Louise-Julie das Ziel gesetzt, eine afrikanische Mythologie zu begründen, die der gesamten schwarzen Diaspora als Bezug dienen soll. Sein im April 2016 erschienener Comic „Yohancé“ ist eine futuristische Space-Opera mit Affenbrot-Weihnachtsbäumen anstelle von Tannen.

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Yohancé - Paul Louise-Julie

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Die afrofuturistische Ästhetik spiegelt sich auch in der Musik des Kontinents wider. Das aus Mosambik und Ghana stammende afrofuturistische Bass-Duo Gato Preto zeigt in dem Clip „Barulho“ eine andere Version des kosmischen und post-apokalyptischen Afrikas: Die beiden Künstler werden von dem Tyrann General Distortion, dem Herrscher aller Galaxien, gefangen gehalten und begeben sich auf die Suche nach „heiligen Beats“, um den Groove des gesamten Universums zu beherrschen.

Gato Preto feat. Edu K - Barulho (Official Video)
Barulho - Gato Preto
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Für das Video zu seinem Song „Capture“ hat der aus Kongo stammende belgische Rapper Baloji das afrofuturistische Kollektiv „Kongo Astronautes“ beauftragt. Das Ergebnis: eine poetische Entdeckungsreise durch Kinshasa, ein Traum-Road-Trip, bei dem Alltagsszenen und futuristisches Delirium verschwimmen.

BALOJI / CAPTURE / feat Petite Noir and Muanza

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Capture - Baloji

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