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ARt kill art

Sinfonie der Geräte: Wenn Gegenstände Musik machen

Ihr liebt Musik? Dann werdet ihr auch diesen Lärm mögen. Die Künstler des Labels Art Kill Art stellen ihre Klangexperimente beim Festival Sonic Protest in Paris vor.

Ganz oben im Pantheon der am häufigsten angeklickten Videos steht wohl die Version der Bohemian Rhapsody für Drucker, Festplatte und Oszilloskop, die ein Kanadier 2009 mit dem Rest der Welt teilte. Die berückende mechanische Poesie seiner Schöpfung hypnotisiert den Zuhörer förmlich, und man ist verblüfft, welche Melancholie eine solche Batterie programmierter Geräte hervorbringen kann.

Queen Bohemian Rhapsody Old School Computer Remix
Bohemian Rhapsody Old School Computer Remix
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Seither greift das Phänomen um sich und bemächtigt sich vor allem verschiedenster Klassiker, von Bach bis Rick Astley. Die Palette der Nicht-Musikinstrumente umfasst alle möglichen langweiligen und rein funktionalen Geräte. Zwar haben die Avantgarden schon vor einem Jahrhundert die Internationale aller Musikformen proklamiert, aber um auch das Publikum zu überzeugen, bedurfte es der vereinten Kräfte von Queen, YouTube und Kanada.

Anlässlich seines 10. Geburtstags schickt das Label Art Kill Art seine Künstler am Donnerstag, dem 23. März 2017, zum Festival Sonic Protest in die Pariser Saint-Merry-Kirche. Eine Gelegenheit für das Label, seine zehnjährigen Experimente mit Objekten als Quelle, Träger und Medium des Klangs zu feiern und zu kommunizieren: im Internet lesbare Audioprogramme auf Kassette; Schallplatten, deren Rillen sich scheinbar nach dem Zufallsprinzip kreuzen; Instrument-Schallplatten; performative Quellcodes usw. Alle Künstler des Labels machen mit Gegenständen Musik (je nach Gemütslage auch als Lärm zu bezeichnen). Die Reaktionen des Publikums reichen von Ratlosigkeit über Begeisterung bis hin zur Ekstase.

Thomas Bégin, Meister der Rückkopplung

Mit seinem Larsen Surf Mixing Board hat der kanadische Künstler Thomas Bégin eine Art klangliches Ökosystem geschaffen, das einem Lebewesen nicht unähnlich ist. Es besteht aus Verstärkern und Gitarrensaiten, die durch die Luft zwischen ihnen miteinander verbunden sind. Die Installation basiert auf dem Phänomen der akustischen Rückkopplung. Musiker kennen dieses Feedback nur zu gut, denn nicht selten wird ihr Trommelfell malträtiert, weil ein Mikro zu nah an den Lautsprecher kommt. Bei Thomas Bégin ist diese Rückkopplung die Grundlage des Sounds. Und wenn sie verstanden und beherrscht wird, kann sie den Ohren durchaus schmeicheln!

Eye for Ears #3: Thomas Bégin // Larsen Surf Mixing Board
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Samon Takahashi und Claudia Squitieri: Von der Kunst, Objekte zu quälen

Im Licht von Bürolampen und Kerzen kreieren diese Künstler düstere Stimmungen am Rande des Hörbaren. Habt ihr schon mal Steine weinen, Bücher schreien oder Töpfe schimpfen hören? Irgendwo zwischen Folterkammer und Psycho-Couch für Gegenstände angesiedelt, vermittelt einem diese Performance das gleiche Gefühl wie ein glimpflich verlaufener Zahnarzttermin.

Samon Takahashi - Instants Chavirés - 18/03/2016
Samon Takahashi - Instants Chavirés - 18/03/2016
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WLK_CONCERTO - Samon Takahashi con Claudia Squitieri
WLK_CONCERTO - Samon Takahashi con Claudia Squitieri
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Valentina Vuksic: Festplattengezwitscher

Die Kratz- und Knackgeräusche von sechzehn geöffneten und mit einer elektronischen Vorrichtung verkabelten Festplatten werden verstärkt und verdichten sich zu einem Konzert für gequälte Maschinen. Wenn Harddisko die Nadeln auf der Festplatte entlangschürfen lässt, wird einem das mechanische Funktionsprinzip dieser Datentempel erst richtig klar. Zu Hause sollte man das allerdings nicht ausprobieren, denn es könnten ein paar Urlaubsfotos mit Opa in Portugal verloren gehen!

cuT_23

02m29

HARDDISKO

02m29

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