TRACKS NEWS / 30-10-17 / Erotik wie in der guten alt...
Erotik

Erotik wie in der guten alten Zeit …

Sex wird heutzutage viel zu ernst genommen. Das Magazin Aventures will der verspielten Erotik von damals wieder zu ihrem Recht verhelfen.

Ach, was waren die Franzosen doch für Meister der Erotik …! Keine Hardcore-Pornografie, sondern ein raffiniertes Spiel mit geschmackvoll inszenierter Sinnlichkeit. Die geschickte, fast schon intellektuelle Zügelung der Leidenschaften ist stärker noch als die sexuelle Revolution. Die reine Pornografie dagegen stellt den Menschen fast auf eine Stufe mit dem Tier, denn sie entblößt unsere sexuellen Konsumwünsche. Das findet zumindest Joan Riviera, Mitbegründerin des Magazins Aventures, das im französischen Buchhandel erhältlich ist und dessen erste Ausgabe im Oktober erschien. „Heutzutage gibt es keine echten Erotikzeitschriften mehr! Man findet zwar haufenweise Pornomagazine, aber für alles, was mit Erotik zu tun hat, gibt es eine echte Marktlücke. In Frankreich gibt es zwar ‚Lui‘ oder den ‚Playboy‘, aber in den vergangenen sechs Jahren sind neue Zeitschriften wie ‚Le Bateau‘ oder ‚Feros‘ auf den Markt gekommen, die sehr unterschiedlich an die Themen herangehen und auch verschiedene Zielgruppen ansprechen. ‚Aventures‘ ist ein Unterhaltungsmagazin, das die Neugier der Leser wecken will. Anschließend bleibt es jedem selbst überlassen, mit welchen Themen er sich eingehender beschäftigen möchte.

Aventures magazine Website

aventuresmagazine.fr/

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Aventures, das sind Collagen, von Chronist Christophe Bier fachmännisch zu Papier gebrachte erotische Geschichten, Fotografien und vieles mehr. Auch erotische Comics alten Schlages wie Les aventures de Jodelle, einer der ersten Comics des belgischen Zeichners Guy Peellaert, und zeitgenössische Comics sind darin zu finden. Mag die Ästhetik des Magazins auch retro sein, seine Inhalte sind wahrlich nicht von gestern. „Nostalgie schwingt vor allem im Tonfall der Zeitschrift mit. Die Erotik entwickelt sich aus der Nuancierung, aus der Diskrepanz … In Frankreich feiert man sich gerne für diese besondere, sehr französische Form der Erotik, doch in Wahrheit tun sich viele damit noch immer ziemlich schwer. Im Buchhandel gibt es eine Menge Vorbehalte, und sogar die französische Post ist sich nicht ganz sicher, ob es pornografisch ist oder nicht … Dabei gab es das alles schon einmal, doch es ist irgendwie in Vergessenheit geraten.

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Aventures magazine

4 Fotos

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Seit in den USA der 1940er Jahre mit John Willies illegalem Magazin Bizarre die ausgefallensten Phantasien und Fetische eine künstlerische Umsetzung erfuhren und so die Codes der Erotik festgeschrieben wurden, hat sich das Genre grundlegend verändert. Die sexuelle Revolution der 1960er Jahre hat sich totgelaufen, trauriges Überbleibsel ist der Zwang zum Orgasmus, zum Konsum, aus dem auch viel Frustration entsteht. „Wir bewegen uns hier im Bereich der sexuellen Phantasien. ‚Aventures‘ erinnert uns daran, dass wir frei sind und mit unserem Körper machen können, was wir möchten, ohne dabei eine bestimmte Richtung vorzugeben. Heutzutage wird uns der Orgasmus verkauft wie eine Ware. Wir sollen immer und überall orgastische Gefühlswallungen haben, sogar beim Haarewaschen ... Doch jeder muss für sich selbst herausfinden, was bei ihm solche Gefühle auslöst. Die Norm wird zum Zwang, und das ist katastrophal!“