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Small-Talk-Tips für Bitcoin-Dummies

Kryptowährungen sind in Mode – auch wenn man immer noch nicht weiß, ob sie die Welt verändern werden. Tracks verrät euch mehr!

Bitcoin, Blockchain. Bitcoin. Ethereum, Blockchain, Bitcoin. Seit zehn Jahren tauchen diese Worte immer wieder in euren Timelines auf. Seit zehn Jahren versteht niemand wirklich, was Bitcoin eigentlich bedeutet oder was eine Blockchain ist – jene Technologie, die hinter dem digitalen Geld steckt und die wie ein Gegenmittel zum Niedergang der Zivilisation angepriesen wird. Kryptowährungen hatten zuerst einen schlechten Ruf, denn sie funktionieren dezentralisiert, sind nur schwer zu kontrollieren und werden deswegen beim Kauf von Waffen und Drogen im Darknet verwendet. Doch seit der „-coin“-Welle wird das Wort „Blockchain“ in jedem erdenklichen Sinn dazu verwendet, Investoren zu locken und sogar eure alte Tante davon zu überzeugen, keine Aloe-Vera-Wundermittel mehr zu verkaufen, sondern in Bitcoins zu investieren. 2008 war somit nicht nur das Jahr der letzten Weltwirtschaftskrise, sondern auch das Geburtsjahr einer Währung, die für manche die Zukunft der Ökonomie darstellt, auch wenn man immer noch nicht weiß, wie Blockchains die Welt verändern werden. Kryptowährungen sind ein Teil unserer Gegenwart, doch wir sprechen noch immer von ihnen wie von künstlicher Intelligenz oder dem Hoverboard von Marty McFly – als wären sie Science-Fiction. Immerhin sind Bitcoins & Co. bereits in der Popkultur angelangt. Tracks gibt euch einige Infos, damit ihr mitreden könnt, auch wenn ihr nicht genau wisst, was in der Kryptographie eine Umkehrung der Hashfunktion bedeutet.

Kasotsuka Shojo

Beweis gefällig, dass Bitcoin zur Allgemeinbildung gehört? Die Mitglieder der japanischen Band Kasotsuka Shojo besingen nicht nur Kryptowährungen, sondern verkleiden sich auch als solche: Jede der Musikerinnen im traditionellen Schuluniform-Kostüm steht für eine Kryptowährung oder eine damit verbundene Marke (Ethereum, Bitcoin, Ripple …). Das erklärte Ziel der Formation ist es, die breite Masse im richtigen Umgang mit der neuen Technologie zu unterrichten: „Immer sachte, unterschätzt den Marktpreis nicht (…) Vorsicht vor Betrügern (…) Achtet auf euer Passwort, verwendet jedes nur einmal“ singen die Bitcoin-Girls.

Japan ist nicht nur das Land, in dem Popstars alles verkaufen können, sondern auch eines der ersten Länder, das Bitcoins legalisiert hat und bewirbt. Im Gegensatz zu China und Südkorea nutzt Japan seit April 2017 Kryptowährungen ganz offiziell, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen (während sich Nordkorea ganz darauf konzentriert, südkoreanische Kryptowährungen zu hacken). Der Rest der Welt ist da deutlich zögerlicher, bis auf zwei Ausnahmen: Die Diktatur in Weißrussland versucht, Investoren durch Steuervergünstigungen auf Transaktionen mit Kryptowährungen zu locken. Und in Venezuela kündigte Präsident Maduro die Einrichtung des Petro an. Diese virtuelle Währung soll dazu beitragen, die von den USA auferlegten Wirtschaftssanktionen zu umgehen – auch wenn dieses Vorhaben eher eine politische Ankündigung ist als ein echtes Wirtschaftsprojekt. Sind Japan und Weißrussland die Vorhut einer neuen Welt?

Crypto-kitties

Kryptogeld mag schön und gut sein, doch bis auf Banken, wenige Regierungen und die Start-Up-Welt interessiert sich kaum jemand dafür. Der Rest der Welt wartet noch immer auf die „Killerapp“, also auf jenes perfekte Produkt, das der Technologie zum endgültigen Durchbruch verhilft. Eine erste Spur: Eine Besonderheit von Kryptowährungen ist, dass alle Transaktionen in ein gemeinsam genutztes, dezentrales Register eingetragen werden, das wiederum auf alle Knoten eines Netzes kopiert wird und somit unzerstörbar und betrugssicher wird. Theoretisch kann man also ein großes Vertrauen in alles haben, was in diesen Registern steht. Dieses Vertrauen bildet die Grundlage von „Smart Contracts“: Verträge zwischen mehreren Parteien, die im dezentralen Register stehen und einen guten Ruf genießen. Ethereum, ein Konkurrenz-Protokoll von Bitcoin, ist für dieses System so angesehen, dass große Unternehmen ankündigten, es verwenden zu wollen. Und jetzt ratet mal, welche der zahlreichen Möglichkeiten dieser „smart contracts“ am erfolgreichsten ist? Genau: der Handel mit virtuellen Katzen. Beim im November 2017 (also mitten im Bitcoin-Boom) erschienenen Spiel Cryptokitties werden in die Ethereum-Blockchain Katzen-Unikate eingeschrieben, die gekauft und verkauft werden können (um euch eine Ahnung von der Größenordnung zu geben: Die Preise stiegen auf bis zu 100.000 Dollar pro virtueller Katze). Man kann seine Katzen auch kreuzen und so andere einzigartige und damit wertvolle Katzen erzeugen. Das Spiel wurde so beliebt, dass es mittlerweile bis zu 24 % der Ether-Transaktionen besetzt. Ernsthaftere Gemüter beschwerten sich zwar über eine Verlangsamung des Netzwerks. Doch die Besitzer der virtuellen Tierchen haben verstanden, dass es nicht darum geht, den Fortschritt der Menschheit voranzubringen, sondern darum, die verbleibende Zeit bis zum Klimakollaps damit zu verbringen, sich zu amüsieren.

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CryptoKitties

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Zusammengefasst: Es muss euch nicht beunruhigen, wenn ihr noch immer nichts von Kryptowährungen verstanden habt. Man muss sich auch nicht ärgern, nicht früher in Bitcoins investiert zu haben. Es ist ein kompliziertes Thema, über das noch viel Uneinigkeit herrscht. Und es drängt sich die Frage auf, ob die Zukunft tatsächlich darin liegt, in Hochleistungscomputer zu investieren, die unnütze Berechnungen machen (die Rechenleistung zur Erschaffung eines Blockes innerhalb dieser Kette ist nur dazu da, um Betrug vorzubeugen – ansonsten haben diese Maschinen keinen sehr hohen Nutzen). Im Moment dient Kryptogeld lediglich Investoren, die durch ICO- und „Token“-Systeme der Steuer entkommen wollen sowie Banken (durch Ripple, das die Operationen wieder zentralisiert und den Behörden ihre Macht zurückgibt). Es ist selbst für nicht-Hippies schwer, ein System als innovativ zu bezeichnen, das haufenweise Energie verbraucht, um irgendetwas zu berechnen, das keinen Nutzen hat und die Reichen noch reicher macht. Ist das die Vorstufe einer neuen Welt? Oder sind es die letzten Zuckungen einer kapitalistisch-technologisierten Zivilisation im Niedergang? Bis wir es erfahren, können wir uns ja weiterhin hochkomplexe Passwörter ausdenken und mit Kryptokatzen handeln.