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MAD FALLOUT

Einmal Tschernobyl und zurück …

Beim Chernobyling Festival wird die Erinnerung an das Reaktorunglück zur Blaupause für eine post-apokalyptische Vorstellungswelt.

Spätestens seit der Kuba-Krise 1962, als Atombunker in den USA Hochkonjunktur feierten, gehören post-apokalyptische Szenarien zum festen Repertoire von Film, Literatur und Videospielen. Was also läge näher, als die damit verbundenen Vorstellungswelten an einem Ort aufleben zu lassen, der in Sachen Apokalypse fast schon so etwas wie Kultstatus genießt: dem Atomreaktor von Tschernobyl! Das Chernobyling Festival wurde mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen und findet vom 31. August bis zum 2. September 2018 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt. Mittelpunkt der Festival-Aktivitäten ist ein künstlich angelegter unterirdischer Stollen, der die Fans von Mad Max gleich in die richtige Stimmung versetzt. So versprechen die Veranstalter eine post-apokalyptische Location wie aus dem Bilderbuch – inklusive Workshops und grimmigen Bewohnern, die wie die Überlebenden einer künftigen Katastrophe wirken.

Auf dem Programm stehen Street-Art-Ausstellungen (denn in einer gesetzlosen Welt kann jeder überall Graffiti sprühen), Pop- und Metal-Konzerte (denn wenn man alles verloren hat, muss man sich wahlweise in klebrig-süße Melodien flüchten oder seine Wut hinausschreien), aber auch Survival von A bis Z, vom Extremsport über Schießübungen bis zum Wie-überlebe-ich-alles-Workshop. Doch wie heißt es so schön, „no risk – no fun“, und so finden verschiedene Aktivitäten nicht nur in, sondern auch um Kiew statt – darunter Führungen durch alte Bunker und Militäranlagen, denn wer wissen will, was zu tun ist, wenn eines Tages die Welt untergeht, sollte sich von den Verteidigungsszenarien der Vergangenheit inspirieren lassen. Aber da wir ja noch in einer ordentlichen und zivilisierten Welt leben, gehören zum Festival auch ein Vortrag über den hipsten Reaktorunfall der letzten 40 Jahre sowie eine Spendenaktion für die Opfer der Atomkatastrophe, die in den radioaktiv verseuchten Gebieten ihr Dasein fristen müssen. Kurzum, ein Festival für reaktionäre Hippies… Das hat uns gerade noch gefehlt!