TRACKS NEWS / 25-05-10 / Dance Machine

Dance Machine

Das ist Maschinenswing!

Fast fünfzig Jahre nach dem Kinoerfolg greift der Künstler Peter William Holden erneut zu den Regenschirmen. Seine Idee: eine Roboterversion von „Singin’ in the rain“. In seinem Automatenballett schlüpfen die Schirme in die Rolle von Gene Kelly.

Der englische Künstler Peter William Holden ist der Maurice Béjart der Maschinen und zum ersten Mal beim Exit-Festival in Créteil zu Gast. Hier präsentiert er Tanzmaschinen wie die „Arabesque“, ein mit Druckluft betriebenes Heer von Armen und Beinen. 

Peter William Holden Presents "Arabesque" a kaleidoscopic kinetic sculpture

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Peter William Holden - "Arabesque"

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Dance Machine

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Für Peter Holden beginnt das Ganze im Jahr 1984: Er ist Assistent von Jim Whiting, dem Schöpfer der Automaten in Herbie Hancocks Videoclip „Rockit“, den schon Jean Tinguely, der Erfinder der Maschinenplastiken, als seinen würdigen Nachfolger bezeichnete. 

In den 30er-Jahren bereits stellt Busby Berkely, ehemaliger Leutnant der Army, seine Lust an Ordnung und Rhythmus in die Dienste Hollywoods. Die senkrechte Vogelperspektive wird sein Markenzeichen, er benennt sie nach ihm selbst „Berkeley-Perspektive“ und revolutioniert so das Filmmusical. Berkeleys Choreographien, hier das 1943 gedrehte „Banana Split“, sollen die Bewegungen der Maschinen von damals imitieren – fünfundsechzig Jahre später ersetzt Peter William Holden die Muskelkraft durch einen Druckkolbenstoß. 

Vor seiner Begegnung mit dem Pariser Künstler Michaël Sellam verpackte der Roboter Quatro stumpf Kekse und Süßigkeiten in Kartons. Jetzt spielt er Kool Hercules, den Erfinder des Scratch mit zehntausend Umdrehungen in der Minute!
Mit 35 Jahren ist Michaël Sellam kein Anfänger in Sachen Maschinenkunst – jetzt programmiert er sie neu und macht aus ihnen die John Zorns von morgen. 
In Sellams „Black Metal forever“, das er im Pariser Kulturzentrum „104“ vorstellt, spielt eine Hebebühne von sechzehn Metern eine Melodie. Die bei der Bewegung des Krans entstehenden Töne werden von fünf Mikrofonen aufgenommen und live gemischt. 
 

Nach seinem Studium der Physik und Raumakustik wird Aurélien Bory erst Jongleur, dann Regisseur. In seiner neuen Kreation „Sans Objet“ lässt er einen zwei Tonnen schweren Schweißroboter auftanzen, der dank seiner vielen Gelenke jeden Punkt im Raum erreichen kann – eine Fähigkeit, die ihn in den siebziger Jahren zum Modellarbeiter der Automobilindustrie machte. 

Aurélien Bory : "Einen Gelenkarm zusammen mit Schauspielern auf die Bühne zu bringen, bedeutet auch, mit dem Körper zu arbeiten. Der Schauspieler ist bei mir ein beweglicher Körper, wie auch der Roboter, dieser Arm mit sechs Gelenken. Sie sprechen also in gewisser Hinsicht dieselbe Sprache, und so habe ich versucht, sie einander anzunähern. Ich wollte, dass die Maschine den Tänzern voraus ist, dass sie aktiv ist, und dass die passiven Tänzer ihr folgen."

Eine Reportage von Carine Roy

Aurélien Bory / Compagnie 111: Sans Objet

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Aurélien Bory - Sans Objet

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