TRACKS NEWS / 02-10-15 / Erwärmung der Kunst
climate art

Erwärmung der Kunst

Kurz vor der Pariser Kunstnacht „Nuit Blanche“, die am kommenden Samstag ganz im Zeichen des Klimas steht, wagt Tracks eine Wettervorhersage: Ein bedrohliches Gewitter zieht auf, und eine Handvoll Künstler macht als Whistleblower auf die Gefahren der weltweiten Erwärmung aufmerksam.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat so manchen skurrilen Nebeneffekt, darunter das Verdrängen anderer wichtiger Themen – allen voran das Weltklima – aus den Schlagzeilen. Doch die Uhr tickt unerbittlich weiter. Die Menschen in Paris und Berlin dürften keine nassen Füße bekommen, doch in anderen Regionen werden bereits die Rettungsboote vorbereitet, denn die COP 21 im Dezember in Paris wird wohl allerhöchstens für Schadensbegrenzung sorgen können. Die Kunst war schon immer ein Spiegel ihrer Zeit, und die Pariser Kunstnacht, das Original der inzwischen vielerorts imitierten Nuit Blanche, widmet ihre 14. Auflage der „Klimakunst“. Blitzableiter sind ein Muss, denn Tracks hat sich mit jenen beschäftigt, die auf ihre eigene, kreative Art Alarm schlagen.

Nuit Blanche

@ Paris.fr

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Und es schmilzt, und schmilzt, und schmilzt ...

Zhenchen Liu, « Ice Monument »

Auf der guten alten Erde gibt es insgesamt 270 Länder. In den nächsten 100 Jahren droht diese Zahl rapide abzunehmen. Der chinesische Künstler möchte auf die akute Bedrohung für die Malediven, die Niederlande oder Kiribati aufmerksam machen. Farbige Eisblöcke symbolisieren die Länder; sie beginnen zu schmelzen, sobald die Installation fertiggestellt ist. Es sind 270 Eisblöcke, damit auch niemand vergessen wird und weil nicht nur in unmittelbarer Küstennähe ein tragisches Schicksal droht.

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Galerie : Zhenchen Liu, « Ice Monument »

3 Fotos

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Hummelflug

Erik Samakh, « La Nuit des Abeilles »

Es wird wärmer? Der Mensch kann einfach seine Jacke ausziehen, doch die Bienen begeben sich, ebenso wie viele andere Tiere, auf Wanderschaft. Sie suchen Temperaturzonen auf, die denen in ihrer Heimat im vergangenen Jahrhundert entsprechen. Bisher tummeln sich weder im Berliner Tiergarten noch im Pariser Bois de Boulogne Krokodile, doch das Kunstwerk konfrontiert den Besucher mit der harten Realität. Eine Grünfläche wird mit den verstärkten Geräuschen verschiedener Tierarten beschallt, die für ein gesundes heimisches Ökosystem unverzichtbar sind. Man hört Vögel und Insekten das sinkende Boot verlassen … Werden bald andere Arten an ihrer Stelle Einzug halten?

Erik Samakh

Seine Arbeiten

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Der elektrische Yeti

Angelika Markul, « Frozen »

Das Kunstwerk von Angelika Markul lässt sich wunderbar als Ironie des Schicksals zusammenfassen. Auch sie stellt das Tier in den Mittelpunkt ihrer Installation. Ein großes Tier einer wahrscheinlich ausgestorbenen Art, vielleicht ist es tot, vielleicht auch nicht, jedenfalls befindet es sich in einem großen Eisbecken, das an eine Steckdose angeschlossen ist. Ein „Klimaflüchtling“, von den Menschen mit Hilfe einer technischen Erfindung gerettet, die vermutlich durch fossile oder atomare Energie gespeist wird? Wird es „Tiertresore“ nach dem Beispiel des Global Seed Vault in der Nähe des Nordpols geben, in denen die Vielfalt des Tierreichs bei -50 °C aufbewahrt wird?

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Angelika Markul, « Frozen »

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