TRACKS NEWS / 20-08-14 / Freaks Skaters - Cool riders

Freaks Skaters - Cool riders

Vom 18. Juni bis 7. August kommt im Pariser Kulturzentrum Gaité Lyrique ein Festival ins Rollen, das sich der Skate-Kultur widmet. Also schnell noch die Wadenmuskeln dehnen. 

Patrick Melcher

In L.A. haben sich eine Handvoll der coolen Freak Skater gefunden. Die Hippies, Motorradfahrer und Gesichtshaar-Träger lassen die Anfänge des Skateboards, den Free Spirit der 60er Jahre, wieder aufleben. Los Angeles, 1961: Surfchampion Phil Edwards und Mickey Muñoz - wegen seiner Surfhaltung auch Manguste genannt - suchen einen Zeitvertreib für Tage, an denen Flaute oder Ebbe herrscht, und erfinden das Skateboard.

Vierzig Jahre später cruist Patrick Melcher, dreiunddreißig, im Kielwasser seiner Vorreiter, und das am liebsten Downtown. Das Business-Viertel von L.A., wo sich im Schatten schicker Wolkenkratzer Armut und Drogen ausbreiten, ist sein ganz persönlicher Hotspot.  Seiner Heimatstadt in Illinois, kehrt Patrick Melcher Ende der Neunziger den Rücken, um Kalifornien unsicher zu machen. Der Gentleman-Skater wird Profi und ist für originelle Tricks und seinen flüssigen Stil berühmt. Doch der Weg dahin ist schmerzhaft. Ende 2009 organisieren seine Freunde sogar eine Benefiz-Party, um die Operation für seinen zerschmetterten Ellenbogen zu finanzieren.  

Patrick Melcher Death video part

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Patrick Melcher Death Video Part

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Patrick Melcher

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Patrick macht in seinem Leben keine halben Sachen. So nimmt der überzeugte Vegetarier auch keinen Alkohol zu sich. Und als er sich einen Bart wachsen lässt, wie sein Kumpel Richie Jackson, geht Melcher ebenfalls in die Vollen. Prompt belegt er 2009 den zweiten Platz bei der Knebelbart-Weltmeisterschaft. Das Schattendasein des Skateboards endet in den Siebzigern mit dem Durchbruch der Z-Boys aus Venice Beach. Als eine Dürre 1976 die kalifornischen Schwimmbecken trockenlegt, skaten sie darin und erfinden so das Pool Riding. Stacy Peralta, Tony Alva und Jay Adams legen den Grundstein des Street-Skatens.

In den Achtzigern wird das Skateboarden zur Profisportart und deutlich spektakulärer. Immer mehr Risiko und immer halsbrecherischere Gaps. Doch Melcher und seine Leute schwimmen gegen den Strom.  Wenn Patrick Melcher heute zum Skatepark geht, dann nicht, um ohne Rücksicht auf Verluste den neuesten Mega-Trick zu lernen. Er möchte die Kurven der Pipe spüren, wie ein Surfer die Welle. Dieser Stil ist zu seinem Markenzeichen geworden. Auf seinem Kreuzzug für haariges Easy-Going-Skaten bekommt Melcher Unterstützung, in Form von “2Headedhorse“. Dieses Team produziert TV-Formate mit den Hauptzutaten Skaten und Humor. Heute darf Patrick sich an einer Telefonzelle austoben.

Ted Newsome und Laban Pheidias sind schon Anfang der Neunziger – lange vor ihrem Wandel zu seriösen Produzenten - in der Skater-Szene aktiv. Ted als Profi, Laban als Art-Director von "Transworld", dem absoluten Kultmagazin für Kugellager-Junkies, das 1983 gegründet wird. 2005 rufen die Vegetarier ihre Produktionsfirma ins Leben, mit Sitz in Echo Park, dem Edel-Latino Viertel von L.A.  Mit "American Misfits" - einer Comedy-Serie, deren Hauptrolle das Skateboard spielt - beschreitet das Duo neue Wege. Sie kurven in diesem Leichenwagen durch die USA, begleitet von einer ihrer Erfindungen, dem skatebaren Sarg. 

Gareth Stehr

“Built to shred“ – in etwa “Gebaut, um voll abzugehn“, ist die neueste Idee des Duo Infernale. Hier kommen sowohl Baumarkt-Fans, als auch Skate-Junkies auf ihre Kosten, denn was immer diese Hardcore-Heimwerker in die Finger bekommen, verwandeln sie in einen Skate-Spot. 
 
Gareth Stehr tritt in die Fußstapfen von Patrick Melcher. Der 27-jährige Neuseeländer ist in die Heimat der Z-Boys gepilgert, um Freak-Skater zu werden. Sein Tagesablauf besteht aus "boneless", "airwalk" und "hippie jump“, den Tricks seiner Idole, die er noch auf die Spitze treibt. Sein zweites Standbein hat Gareth in der Kunst. Seine Werke stehen immer öfter in den Galerien von L.A. Gareth wächst in Neuseeland einige Kilometer entfernt von Auckland auf. Als sein großer Bruder ihn aufs Board stellt, zeigt sich schnell: Der Junge hat Talent. Also schmeißt Gareth seinen Job als Medizintechniker und versucht sein Glück in den USA. Er wird Profi, heiratet 2005 und lässt sich schließlich in Los Angeles nieder. Sein Haus ist mit kitschigen Staubfängern und Reliquien vollgestopft, doch seinen größten Schatz hütet Gareth im ersten Stock.
 
Bei Gareth und Patrick sind Kugellager und Kurbelwelle kein Widerspruch. Ob im Sattel ihrer Bikes oder auf dem Brett, die coolen Jungs sind immer auf dem Sixties-Trip. Motorrad-Freak Gareth hat ein Jahr an seiner Maschine geschraubt. Bei jeder Gelegenheit schwingen sich die Freunde auf ihre aufgemotzten Untersätze, um die besten Skate-Spots in und um L.A. aufzusuchen.

Cataclysmic Abyss: Gareth Stehr

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Cataclysmic Abyss : Gareth Stehr

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Richie Jackson

Der erste, der sich den Sechzigerjahre-Virus einfängt, ist Richie Jackson, Pionier der Freak-Skater. Mit Wind in seinem Haar und Patschuli-Duft auf der Haut ist Richie Jackson der Messias der Skate’n’Love-Jünger. Mit trick-fixierten Kamikaze-Boardern hat er nichts am Hut. Ohne Hawaii-Hemd geht der 25-jährige Neuseeländer nicht aus dem Haus. Am liebsten haucht er Tricks neues Leben ein, die seit den Siebzigern in der Versenkung verschwunden sind. Bekannt wird Richie durch seine Videos, die er ins Netz stellt. Als Patrick Melcher die sieht, ist er hin und weg. 

Richie Jackson - Death Skateboards

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Richie Jackson - Death Skateboards

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