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Freaks

„Heilige Monster“

Man höre und staune! Die große Parade der "Freaks" präsentiert diese Woche Kleinwüchsige, Riesen, siamesische Zwillinge und bärtige Frauen. Geschenke gibtʼs auch zu gewinnen – für die Mutigen!

San Diego, Januar 1932: Am Abend der Premiere des Horrorfilms „Freaks“ lief angeblich eine Frau schreiend aus dem Kino heraus, und eine andere erlitt eine Fehlgeburt. Damit war das weitere Schicksal von „Freaks“ besiegelt: Ebenso wie die im Film gezeigten Jahrmarktsmonster führte der Streifen selbst lange eine Randexistenz. Von katholischen Interessengruppen angegriffen und von der Kritik verrissen, wurde „Freaks“ einige Monate nach der Premiere vom Spielplan abgesetzt und verdarb Regisseur Tod Browning die weitere Karriere. Dabei hatte der im Vorjahr mit seinem ersten „Dracula“-Tonfilm (Hauptrolle: Bela Lugosi) gerade erst einen Riesenerfolg gelandet. Vom 14. Februar bis 4. März widmet die Pariser Cinémathèque dem US-amerikanischen Schauspieler, Drehbuchautor und Filmregisseur, der auch der „Edgar Allen Poe des Kinos“ genannt wird, eine Retrospektive. Browning betätigte sich als Ansager und Assistent, als Zauberkünstler, Clown und Blackface in Zirkus- und Jahrmarktsveranstaltungen. Von seinem sechzehnten Lebensjahr an besuchte er die Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommenen „Sideshows“, d. h. Wanderzirkusse, deren Hauptattraktion monströse Missgeburten waren. Übrigens war auch die US-amerikanische Fotografin Diane Arbus von solchen Kreaturen fasziniert und verewigte sie mit ihrer Kamera. Im Amerika des beginnenden 20. Jahrhunderts, in dem das Recht des Stärkeren herrschte, musste Brownings Film einfach schockieren: Noch nie hatte jemand die Körper und Gefühle von Rumpfmenschen, siamesischen Zwillingen, Zwergen und anderen „Anomalien der Natur“ auf die Leinwand gebannt. Browning jedoch thematisierte die Monstrosität und hielt allen Außenseitern der US-amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vor. Mithilfe seines Films konnten sie sich die Devise der Freaks zu eigen machen: „Wer einen von uns beleidigt, beleidigt uns alle“.

Da „Freaks“ als zu avantgardistisch für seine Zeit empfunden wurde, ließ man den Films dreißig Jahre lang in der Versenkung verschwinden. In den Sechzigerjahren jedoch wurde er wiederentdeckt und avancierte zum Kultfilm. Tod Brownings Klassiker sollte das Filmschaffen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussen. Zu den unmittelbaren Erben des Films zählen: „Auch Zwerge haben klein angefangen“ (1970) von Werner Herzog, „Der Elefantenmensch“ (1980) von David Lynch und in jüngerer Zeit die 4. Staffel der „American Horror Story“ (2014), die sich in einer fahrenden Freak-Show abspielt.

In einem Musicalfilm, der eine im Vergleich zu Brownings Vorlage sehr abgemilderte Version darstellt, ziehen die Freaks ihre Hollywood-Show auch in „Greatest Showman“ (2017) von Michael Gracey ab, der im Januar in die Kinos kam. Hugh Jackman spielt den US-amerikanischen Zirkuspionier Phineas Taylor Barnum, einen Freak-Show-König und Gründer des nach ihm benannten Zirkus. Die kürzlich bei Bach Films erschienene DVD-Box „Freaksploitation“ verweist Jackman und seine Freundin, die Frau mit Bart, auf ihre hübschen Koloraturen und Pas de deux. Hier ein kurzer Überblick über diese Sammlung von fünf Freak-Genrefilmen, deren Gewinn Ihnen winkt:

In „EEGAH“ (USA, 1962) geht es um die Liebe zwischen einem prähistorischen Riesen und einem jungen Mädchen von heute. Damit ist der Film gewissermaßen ein steinzeitlicher Vorläufer des Achtzigerjahre-Kultfilms „La Boum – Die Fete“.

Kung Fu ohne Hände mit „Six Kung Fu Heroes“ (Taiwan, 1977), in dem der Super-Meister ehemalige Schüler anwirbt, die zwar körperlich behindert, aber überaus zornig sind.

In dem an „Miami Vice“ erinnernden Film „The Amazing Mr No-Legs“ (USA, 1979) hat einer der beiden Ermittler zwar keine Beine, dafür aber zwei an seinem Rollstuhl befestigte Gewehre.

In „The Crippled Masters – Killer ohne Hände“ kombinieren zwei behinderte Brüder – dem einen fehlen die Hände, dem anderen die Füße – ihre Kräfte im Kampf (Hongkong, 1979).

Und schließlich zeigt „The Impossible Kid of Kung Fu“ (Philippinen, 1982) den freakigsten Geheimagenten der Galaxis: Agent 00, alias Weng Weng, 80 Zentimeter groß, der in Manila für Interpol arbeitet.

Um die „Freaksploitation“-DVD-Reihe zu gewinnen, schreib uns in die Kommentare, warum ausgerechnet du sie bekommen solltest!