TRACKS NEWS / 09-06-17 / Vom ganz normalen Wahnsinn
Handmaid's Tale

Vom ganz normalen Wahnsinn

Wie sähe die Welt aus, wenn man alle Frauen ihrer Rechte berauben und zu Sklaven herabwürdigen würde? Das zeigt The Handmaid’s Tale, eine der zynischsten und schockierendsten Serien im aktuellen TV-Programm.   

Sie heißt June. Sie ist verheiratet, hat eine kleine Tochter und ein unaufgeregtes Leben. Eines Tages verliert sie ihren Job. Am nächsten Tag ihr ganzes Geld. Dann ihr Eigentum. Ihren Führerschein. Und ihre Identität … In wenigen Tagen wird June zu einer Frau ohne Rechte. Das verbindet sie mit der gesamten weiblichen Bevölkerung der Republik Gilead, einem totalitär verwalteten Land, in dem Religion und Politik eins sind und die Macht in den Händen der Männer liegt. June werden jegliche Bürgerrechte aberkannt. Sie und die anderen Frauen werden, nach ihren jeweiligen Funktionen, in Kategorien eingeteilt: Gattinnen, Frauen der männlichen Elite, Marthas – die „Mädchen für alles“ – und Dienerinnen. Da die Geburtenrate nach einer Umweltkatastrophe unterdurchschnittlich ist, nutzt man letztere als Leihmütter für Elitepaare mit sterilen Frauen. June wird von Mann und Tochter getrennt, in ein purpurnes Kleid gezwängt, mit einer Flügelhaube versehen und fortan Offred genannt – das bedeutet „Sklavin von Fred“. Gespielt wird June von Elisabeth Moss (bekannt aus Mad Men und Jane Campions Miniserie Top of the Lake). Ihre Geschichte steht im Mittelpunkt von The Handsmaid’s Tale, das jetzt als VOD verfügbar ist. 

The Handmaid’s Tale Trailer (Official) • The Handmaid's Tale on Hulu
The Handmaid's Tale - trailer
+
-

Die dystopische Geschichte stammt von Margaret Atwood, der berühmten feministischen Schriftstellerin aus Kanada. Ihr Roman „Der Report der Magd“ (1985), auf dem die Serie beruht, wurde damals mit dem noch immer brisanten Label „soziale Science-Fiction“ gekennzeichnet. 2009 hatten Eltern eines Schülers aus Toronto eine polemische Debatte entfacht, indem sie den Roman als gewaltverherrlichend, lasterhaft sowie anti-christlich und anti-islamisch zugleich bezeichnete. Im Amerika von Donald Trump wirkt die religiöse Diktatur der Republik Gilead wie ein Zerrspiegel – schließlich wurde Trump nicht nur von der „Pro-Life“-Lobby unterstützt, sondern berief auch die resolute Abtreibungsgegnerin Teresa Manning, die Schwangerschaftsabbrüche für brustkrebserregend und die Pille für „todbringend“ hält, in eine wichtige Position des Gesundheitsministeriums. Sogar Hillary Clinton verwies in einer Rede zu gefährlichen Familienpolitik der neuen Regierung auf die Serie; und Demonstrantinnen protestierten im scharlachroten Gewand der Dienerinnen aus The Handsmaid’s Tale gegen die Anti-Abtreibungs-Bestimmungen in Texas. Um daran zu erinnern, dass sich die menschliche Gattung ruhig fortpflanzen darf … aber nicht auf Kosten eines Grundrechts: dem der Frauen, über ihren eigenen Körper zu verfügen.