TRACKS NEWS / 15-12-14 / House of Cards in der Ukraine
PERFORMANCE

House of Cards in der Ukraine

Eine ins Exil gezwungene Kulturstiftung aus Donezk, dem Epizentrum des Ukraine-Konflikts, schlägt in Paris Alarm.

Früher thronte als Hommage an die Frauen, die die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut hatten, ein gigantischer Lippenstift auf dem Schornstein des mittlerweile zu einem Kultur- und Sozialzentrum umgestalteten ehemaligen Industriegeländes. Früher stellten kreative Köpfe in dieser von Daniel Buren entworfenen Stadt des bunten Glases inmitten von Kunstgalerien Initiativen mit kulturellen und sozialen Zielsetzungen auf die Beine. Früher war das Izolyatsia-Kulturzentrum ein Labor der Ideen und ein Schmelztiegel der Identitäten von Donezk. Aber seit letztem Juni ist Izolyatsia ein Gefängnis und ein Trainingslager für die pro-russischen Separatisten. Die Kunstwerke wurden aus dem Gebäude gestohlen, und die Stiftung musste nach Kiew ins Exil gehen.

Am 15. Dezember wird sie im Pariser Palais de Tokyo zu Gast sein. Anlass ist die Veranstaltung „Alerte!“ (Warnung), zu der das Museum regelmäßig Künstler aus Krisengebieten (Syrien, Mali, China u. a.) einlädt und zu deren Auftakt 2012 Pussy Riot gekommen war. Dieses Mal will „Alerte!“ dem Publikum mit Filmvorführungen, Installationen, Vorträgen usw. vor Augen führen, was es konkret bedeutet, im Krieg Kunst zu machen. Den Höhepunkt des Tages bildet die Performance „House of Cards“ des Künstlers Serhii Zakharov. Es handelt sich dabei um ein überdimensionales Kartenhaus, auf dessen Karten Karikaturen von (Putin-nahen) Funktionären der selbst proklamierten Volksrepublik Donezk abgebildet sind. Durch Herausziehen des Putin-Jokers bringt der Künstler das Kartenhaus zum Einsturz.

Weil Zakharov diese Karikaturen bereits zu Beginn des Konflikts an strategischen Orten in Donezk angeschlagen hatte, war er von einer pro-russischen Patrouille geschlagen und eingesperrt worden…

Culture & conflict : Izolyatsia in exile

@ Palais de Tokyo

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