Mein Sänger sagt non, non, non

Ohne Michel Polnareff müsste die Geschichte der französischen Popmusik neu geschrieben werden. Der eigensinnige Künstler ließ im Laufe seiner Karriere keine Gelegenheit zum Skandal aus.

Seinen ersten Klavierwettbewerb gewann der Wunderknabe schon im zarten Alter von 12 Jahren, doch schon bald hängte er die klassische Musik an den Nagel und spielte stattdessen lieber auf der Straße Gitarre. Als die französischen Beat-Musiker sich Mitte der 1960er Jahre darauf beschränkten, US-amerikanische Standards zu kopieren, schlug er den Bogen zwischen französischem Chanson und amerikanischem Rock’n’Roll und legte so den Grundstein für die französische Popmusik. Für seinen ersten Hit „La poupée qui fait non“ (Meine Puppe sagt non) heuerte er sogar zwei künftige Mitglieder von Led Zeppelin an: Jimmy Page und John Paul Jones.

Michel polnareff : la poupée qui fait non ( live 1966 )
La Poupée qui fait non, live 1966 - Michel Polnareff
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Danach ging es Schlag auf Schlag – mit den Erfolgen, aber auch mit den Provokationen: Im puritanischen Frankreich unter Präsident Georges Pompidou sang er von Seitensprüngen und freier Liebe, spielte mit den Geschlechterrollen und zeigte den Leuten buchstäblich den Hintern – auf einem legendären Konzertplakat, das ihn 1972 sogar vor Gericht brachte.

„– Ist das ihr Hintern auf dem Plakat? Denn wenn das eine Fotomontage ist, können Sie nicht belangt werden.

– Nein, nein, das ist schon mein eigener Arsch!“

Seine Bühnenpersönlichkeit mit den wasserstoffblonden Haaren und der ewigen Sonnenbrille machte es ihm besonders leicht, mit den Codes der Musikindustrie zu spielen. Als Fan der neuen Technologien war er schon im Internet unterwegs, als das Ganze für die meisten noch völliges Neuland war, und kommunizierte nach Lust und Laune, ohne sich dabei groß um die Medien zu scheren. Oder aber er tauchte unter: Polnareff ist ein Meister des Katz-und-Maus-Spiels und der inszenierten Geheimnisse. Nun hat das Chamäleon der französischen Musikszene ein neues Album angekündigt – ein Vierteljahrhundert nach seiner letzten Veröffentlichung.