Die Stimme der Flüchtlinge

Seit Beginn der Flüchtlingskrise ist Palermo zu einem der wichtigsten Tore nach Europa geworden. Migranten wie Bility aus Gambia oder das senegalesische Trio Booku n’dal erzählen in ihrer Musik von ihrer gefahrvollen Reise und kämpfen für Integration.

Die Musik der Migranten hat sich einen festen Platz im italienischen Rap erobert. So erzählten die beiden Tunesier Master Sina und Balti  in ihrem Song „Clandestino“ 2016 von der beschwerlichen und gefahrvollen Flucht über das Mittelmeer – aus eigener Erfahrung: Anis Barka, alias Sina, kam mit 12 Jahren illegal nach Italien. Heute, 16 Jahre später, gehört ihm ein Restaurant in der Nähe von Bologna und sein Flüchtlingssong wurde im Internet über 52 Millionen Mal geklickt.

2016 kam KB BLAK aus einem Dorf in Gambia auf dem gleichen Weg nach Europa. Zehn Monate dauerte es, bis ihm nach Gewaltmärschen durch die Wüste und Aufenthalten in libyschen Lagern die Überfahrt nach Palermo gelang. Heute lebt er in einem Auffanglager in einem sizilianischen Dorf von den zwei Dollar, die ihm der italienische Staat täglich zugesteht.

 „Ich habe für Menschen gespielt, die erst drei Tage zuvor angekommen waren und nach allem, was sie durchgemacht hatten, dennoch die Kraft fanden zu tanzen, zu singen und glücklich zu sein.“ Sandro Joyeux

Sandro leitet in Palermo Workshops, um Musiker zu finden, mit denen er künftig auf Tournee gehen will. Darunter ist auch der dreißigjährige Nigerianer Avid Jay, der 2014 nach Sizilien kam.

 „Es war sehr schwer. Sehr hart. Ich habe meine Brüder sterben sehen. Durch die Musik fühle ich mich besser, sie macht mich glücklich.“ Bility

Der sechzehnjährige Junge aus Gambia war von seiner Familie in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Europa geschickt worden. 11 Monate steckte er in Libyen fest und arbeitete dort als Mechaniker, um das Geld für die Überfahrt zu verdienen. Er kam vor einem Jahr nach Palermo und rappt sich seine Erlebnisse von der Seele.