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MARK MOTHERSBAUGH

Revolutionär, devolutionär, visionär

Der Mitbegründer von Devo, der avantgardistischsten amerikanischen New-Wave-Band der 70er Jahre, gibt keine Ruhe.

Ihn kurzsichtig zu nennen, wäre ein Euphemismus: Mark Mothersbaugh ist praktisch blind, seit er sieben ist, und geht nie ohne seine riesige, panzerglasdicke Brille aus dem Haus. Aus seiner Sehschwäche hat er eine Stärke gemacht: Trotz Kurzsichtigkeit sieht er weit über den Tellerrand hinaus. Nicht zufällig heißt sein jüngstes Projekt „Myopia“ und ist sowohl musikalisch als auch plastisch höchst avantgardistisch. Die Retrospektive zeigt in Form eines Buches und einer Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst in Denver unter anderem einen Teil der insgesamt 30 000 Underground-Comic-Karten, von denen Mark Mothersbaugh seit den 70er Jahren mindestens eine pro Tag anfertigt und auf denen er – wie auch mit Devo – die Frage nach der „Devolution“ (der Rückwärtsentwicklung) des Menschen stellt.

Mark Mothersbaugh : Myopia

@ MCA Denver

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Aber damit nicht genug. Mothersbaugh hatte ja bereits zu mehreren Filmen von Wes Anderson („Die Royal Tenenbaums“, „Die Tiefseetaucher“ u.a.) den Soundtrack komponiert. Nun setzen die beiden noch einen drauf und erschaffen eine neue Welt in Form eines Themenparks. Der soll sich aus der schrägen Bilderwelt von Andersons Filmen und den Visionen von Devo speisen und dürfte somit, gelinde gesagt, ungewöhnlich werden. Animatronische Wesen, Städte und Landschaften sollen sich aus Mothersbaughs musikalischem Magma erheben, jener (nach eigenem Bekunden) „speziellen Mischung aus Angst und Begeisterung für die unvollkommene Kreatur namens Homo Sapiens“. Disneyland war gestern.

Bis es so weit ist, zeigen wir noch mal, was Mark Mothersbaugh und seine Bande im Jahr 2000 so alles in „Tracks“ zu erzählen hatten.