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sci fi = lol

Science-Fiction aus der Türkei: Außerirdisch witzig!

Türkische Science-Fiction-Filme pflegen bis heute das Trash-Erbe aus den 1970er Jahren – mit Aliens, Robotern und ganz viel Humor!

Man sagt, dass Science-Fiction Zukunftsängste abbaut, indem sie diese in Szene setzt. Zudem spielen aufwändige Space Operas in komplexen fernen Welten, die für Unterhaltung und Zerstreuung sorgen. In der Türkei dagegen setzen Science-Fiction-Macher auf ein einfaches Hausmittel: Humor! Die meisten Filme des Genres sind absurde Komödien für das breite Publikum, wie der brandneue Streifen „Kolonya Cumhuriyeti“ (Die Kölnisch-Wasser-Republik) über eine Kleinstadt, die ihre Unabhängigkeit erklärt und sich plötzlich im Krieg mit den USA befindet. Ein Klamauk-Film wie viele andere … nur, dass hier ein Alien mitspielt, der akzentfrei Türkisch spricht und erst mal eine rauchen muss, als seine fliegende Untertasse von einer Kanonenkugel zerstört wird!

Kolonya Cumhuriyeti - Teaser | English Subtitles (In Cinemas Across Europe on 20 April)
Kolonya Cumhuriyeti - teaser
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Türkische Science-Fiction blickt auf eine lange Geschichte zurück. Dank Internet konnten Trashfilm-Freunde in aller Welt Streifen aus den 1970er und 80er Jahren entdecken, die wahre Meisterwerke des absurden Humors sind. Sie wurden mit billigsten Mitteln produziert und geizen nicht mit Bildern und Musik, die aus amerikanischen Filmen geklaut wurden. Ein Paradebeispiel ist die berühmte türkische „Star Wars“-Version. 

turkish star wars.wmv
Turkish Star Wars
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Nach dem Zweiten Weltkrieg finanzierte die türkische Regierung die Produktion von Filmen mit traditionalistischen und nationalistischen Elementen. Von den 60er Jahren bis zum Militärputsch von 1980 (der eine stärkere Öffnung des Landes einleitete) gehörte die Türkei zu den größten Produzentenländern. Einige Regisseure drehten bis zu 20 Filme pro Jahr, so dass ihnen irgendwann die Inspiration und das Geld ausgingen. Da manche ausländischen Filme in der Türkei verboten waren, bestand die Lösung darin, die Kinoerfolge aus anderen Ländern mit einfachen Mitteln für das türkische Publikum zu adaptieren. Um diese Praxis geht es in der Dokumentation „Remake, Remix, Rip-Off“ des Berliner Regisseurs Cem Kaya, den Tracks 2015 getroffen hat.

Remake, Remix, Rip-Off - Tracks ARTE
TRACKS : Remix, Remake, Rip-off
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Nicht nur in der Türkei wurden Low-Budget-Filme produziert, während in Hollywood millionenschwere Blockbuster entstanden. Ab Mitte der 1990er Jahre herrschten auch im Land am Bosporus professionellere Verhältnisse, doch ohne die Science-Fiction-Tradition zu verleugnen, in der Humor und Parodie eine große Rolle spielen. 2008 gab es sogar eine – bewusst kitschige –  Fortsetzung des berühmten „Turkish Star Wars“.

Dünyayi kurtaran adamin oglu fragman
Dünyayı Kurtaran Adam'ın Oğlu
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Einer der größten Erfolge der letzten Jahre ist dem Komiker und Drehbuchautor Cem Yılmaz zu verdanken: der High-Budget-Film „G.O.R.A.“ (2004). Die Parodie im Stil von „Mel Brooks‘ Spaceballs“ erzählt die Geschichte eines Teppichhändlers, der von Aliens entführt wird und in einen galaxisweiten Konflikt gerät.

GORA | English Trailer
G.O.R.A. - trailer (english subtitles)
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Der Streifen hatte in der Türkei mehr als vier Millionen Besucher. 2008 erschien die Fortsetzung mit dem Titel „A.R.O.G.“, die einen Abstecher in die Urgeschichte macht. Ein drittes Opus ist für 2017 geplant; der Trailer zeigt, dass das moderne türkische Science-Fiction-Kino an Mitteln ebenso wenig spart wie an der für das Genre in der Türkei typischen Zutat: Humor.

ARİF V 216 FRAGMAN
ARIF V 216 - teaser
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